
Zum ersten Mal seit 1995 – und erst zum zweiten Mal überhaupt – gastiert die US Supercross Meisterschaft in Cleveland. Die Stadt in Ohio bildet am kommenden Wochenende den Rahmen für die 14. und damit viertletzte Runde der Saison. Nach vier Podestplätzen in Folge liegt Ken Roczen nur noch wenige Punkte hinter dem Tabellenführer Hunter Lawrence zurück.
Roczen reist mit ordentlich Rückenwind an, nachdem er in Nashville das 85. Podium seiner Karriere in der Königsklasse feierte. Damit festigt der Suzuki-Star seinen sechsten Rang in der ewigen Bestenliste. Kurios: In den Jahren 2016 und 2020 gelang es ihm bereits drei Mal, fünf Rennen in Folge auf dem Podium zu beenden – in Cleveland könnte er diesen persönlichen Bestwert nun erneut einstellen. Es erinnert an seinen starken Saisonendspurt von 2016, als er in den letzten sechs Rennen zwei Siege und drei dritte Plätze einfuhr.
Doch die Konkurrenz ist hart: Hunter Lawrence hat drei der letzten fünf Finals gewonnen. Der Australier hat sich enorm gesteigert und lässt die Verletzung seines jüngeren Bruders Jett – der eigentlich als klarer Titelfavorit galt – fast vergessen. Interessantes Detail am Rande: Beide Lawrence-Brüder stehen nun bei jeweils 12 Podestplätzen in ihrer 450ccm-Karriere.
Szenekenner Steve Matthes machte neulich in seiner "Observations Kolumne" für www.racerxonline.com einen interessanten Punkt. Nach Roczens Sieg in St. Louis kommentierte Matthes:
"Klar, ein Teil seines Speeds und dieser Leichtigkeit liegt schlicht daran, dass er Ken Roczen ist - einer der krassesten Fahrer der Welt. Aber wenn ich mir das restliche Fahrerlager so ansehe, dieses ganze Gerede über Setup und endlose Testphasen, dann frage ich mich: Sieht eigentlich niemand in den anderen Teams, dass Roczen auf einem acht Jahre alten Bike sitzt, das er kaum anrührt? Denkt da keiner: ´Hm, vielleicht sollten wir unser Motorrad auch einfach mal so lassen, wie es ist?‘
"Natürlich ist Ken ein absoluter Magier auf zwei Rädern. Aber ich glaube, man kann viel daraus lernen, wenn man ein Bike nicht kaputt-optimiert, sondern so lässt, dass der Fahrer jederzeit genau weiß, wie es reagiert."
"Was die Technik angeht, gebührt REP Suspension (Mark Johnson) und Twisted Development (Jamie Ellis) ein riesiges Lob. Sie haben es geschafft, dass Ken sein Motorrad liebt und damit wieder an der Weltspitze gewinnt. Und das Beste: Das sind keine abgehobenen Werksabteilungen, sondern Firmen von Typen wie du und ich, bei denen jeder sein Bike umbauen lassen kann. Und das wohlgemerkt bei einer Maschine, die seit acht Jahren kaum weiterentwickelt wurde und noch immer einen Kickstarter hat.“
Zeitfenster schließt sich für Tomac und Webb
Hinter Lawrence und Roczen kämpfen Eli Tomac und Cooper Webb um ihre vielleicht letzte Chance, den Abstand nach vorne entscheidend zu verkürzen. Tomac liegt als Dritter 15 Punkte zurück. Der KTM-Neuzugang hat in den letzten Wochen komplett den Faden verloren. Diskussionen um seine Reifenwahl waren auch nicht hilfreich. Titelverteidiger Webb braucht ein Wunder, um nochmal oben anzugreifen.
Klassenprimus Yamaha
Im Kampf der 250ccm Ostküstenpiloten darf man einen weiteren Saisonsieg von Yamaha-Jungstar Cole Davies erwarten. Der Neuseeländer dominiert die Klasse ähnlich wie sein Teamkollege Haiden Deegan in der Westküstenserie. Yamaha hat die Rekordzahl von Honda im Visier. Die Bestmarke steht bei 14 Siegen in der Viertelliterklasse. Um sich an die Spitze zu setzen, muss Monster Energy Yamaha Star Racing drei der letzten vier Rennen gewinnen.



