
Idealbedingungen bei 26 Grad und wechselnder Bewölkung hieß es beim AC Kronach zum dritten Lauf der AUNER Hard Enduro Series Germany. Und auch in sportlicher Hinsicht wurden den Fahrern ein ideales Betätigungsfeld geboten: Zahlreiche Steilauffahrten, Steinfelder und diverse künstliche Hindernisse, die fast schon Supertest-Charakter wie in der Enduro-Weltmeisterschaft hatten. Da fühlte sich der eine oder andere schon fast als WM-Fahrer. Aber der Lerneffekt für die weniger versierten war zu 100 Prozent gegeben, denn im internationalen Vergleich ist das auch definitiv nötig, um weitere deutsche Fahrer in die WM-Spitze vordringen zu lassen.

Die angekündigten Gewitterwolken blieben aus, so dass es in Kronach wider erwarten deutlich trockener und staubiger für die mehr als 150 angereisten Fahrer war. Mit von der Partie waren auch die international erfahrenen Gaststarter Fynn Hannemann und Wanja Morlinghaus, die über den Renntag noch einiges für die Konkurrenz parat hatten.
Der ACE Bikes Prolog Award präsentierte sich mit seinen zahlreichen künstlichen Hindernissen wie bereits erwähnt schon als echter Supertest.

Davon profitierte vor allem Henry Strauss. Als erster Fahrer auf der Strecke hatte er noch eine weitgehend staubfreie Runde vor sich und nutzte diesen Vorteil konsequent. Mit einer starken Performance setzte der KTM-Pilot die erste Bestzeit und brachte sich damit in eine hervorragende Ausgangslage für den weiteren Renntag.
Sein Dauerrivale Leon Hentschel konnte Henrys Bestzeit nicht mehr toppen und musste eine Schlappe von sechs Sekunden hinnehmen. Noch überraschender wurde das Ergebnis, als sich Domenik Nieschalk zwischen die beiden Titelkontrahenten schob. Dadurch konnte Strauss im Kampf um die Meisterschaft bereits im Prolog zwei zusätzliche Punkte gegenüber Hentschel gutmachen.

Einer der letzten Fahrer auf der Strecke war Gaststarter Fynn Hannemann, der als einer der Favoriten für den Tagessieg gehandelt wurde. Trotz einer vergleichsweise freien Runde gelang es ihm jedoch nicht in den Kampf um die Spitzenplätze einzugreifen. Am Ende musste sich Hannemann mit Rang fünf zufriedengeben.
Um dreiviertel elf, wie man typischerweise im Franken so schön sagt, also viertel vor elf (10:45 Uhr), ging es bei den Gruppenrennen ins Gefecht. Vor allem das Duell Hentschel vs. Strauss wurde sehnlichst erwartet.

Auf der trockenen und staubigen Strecke erwischte Hentschel zunächst den besseren Start und setzte sich an die Spitze des Feldes. In einer technischen Steinpassage unterlief dem Serienrekordsieger jedoch ein kleiner Fehler, den Strauss sofort ausnutzen konnte. Der Tabellenführer übernahm die Führung und begann sich sofort mit konstant schnellen Rundenzeiten von Hentschel abzusetzen.
Während Hentschel zunehmend mit dem Staub des Vordermannes zu kämpfen hatte, baute Strauss seinen Vorsprung kontinuierlich aus und gewann das erste Gruppenrennen mit mehr als einer Minute (!) Vorsprung.

Andere Fahrer hatten weniger Glück. Besonders Fynn Hannemann ereilte am ersten Hindernis das Pech. Der Gastfahrer blieb direkt nach dem Start hängen und verbog sich dabei auch noch den Fußbremshebel.
Doch Hannemann kämpfte sich aus den TOP-30 eindrucksvoll zurück, qualifizierte sich mit P8 souverän für das Finale und zog zugleich als fünftbester Gastfahrer in den Finallauf ein.
Auch das zweite Gruppenrennen bot spannenden Sport. Hier entwickelte sich ein sehenswertes Duell zwischen Arvid Meyer auf der Stark Varg und Luca Kropitsch.

Während Meyer lange Zeit die Führung verteidigte, wurde der Österreicher Kropitsch im Laufe des Rennens immer schneller und schloss bis auf wenige Meter auf. Kropitsch war bereits am Hinterrad des Stark-Piloten angekommen, als ihm ein kleiner Fehler unterlief. Dadurch konnte Meyer sich wieder etwas Luft verschaffen und den Sieg sichern.
Weniger erfolgreich verlief der Lauf für Domenik Nieschalk. Der Erzgebirgler stürzte in einer Abfahrt und musste Reparaturarbeiten an seinem Motorrad vornehmen. Dadurch verlor er zu viel Zeit und verpasste den Einzug ins Finale.
Strauss baut Siegesserie aus – Hannemann begeistert mit Aufholjagd
Zum großen Finale um 16:30 Uhr hatten sich die dunklen Gewitterwolken rund um das Veranstaltungsgelände vollständig verzogen. Damit stand fest, dass der dritte Finallauf der Saison unter knochentrockenen Bedingungen abgehalten werden würde.
Wie gewohnt führte das Finale über eine Distanz von 55 Minuten plus eine Runde. Für den entscheidenden Lauf hatten die Organisatoren nochmals zusätzliche Streckenabschnitte integriert, die den Fahrern weitere technische Herausforderungen boten. Vor allem die Kombination aus anspruchsvollen Auffahrten, steinigen Passagen und den sommerlichen Temperaturen sorgten dafür, dass das Rennen auch körperlich zu einer heftigen Belastungsprobe wurde.
Davon ließ sich Henry Strauss nicht beeindrucken. Der KTM-Pilot erwischte einen perfekten Start und präsentierte sich auf der gesamten Distanz in bestechender Form. Selbst die schwierigsten Streckenabschnitte meisterte er diesmal nahezu fehlerfrei und konnte sich früh von seinen Verfolgern absetzen.
HENRY STRAUSS ONBOARD - FINALSIEGER
Leon Hentschel versuchte zwar alles, um den Anschluss zu halten, doch Strauss fand auf der neuen Strecke in Kronach einen beeindruckenden SPEED. Runde für Runde baute er seinen Vorsprung weiter aus und ließ keinen Zweifel daran, wer an diesem Tag der King war.
Mit seinem zweiten Sieg in Folge nach Reetz sicherte sich Strauss nicht nur den Tagessieg, sondern reist nun auch als Tabellenführer im Championat und in der Pro-Klasse nach Reisersberg, bei dem Ende Juni das 50. Rennen der Seriengeschichte stattfinden wird.
Hentschel zeigte sich trotz der Niederlage zufrieden. Mit Rang zwei sammelte er wichtige Meisterschaftspunkte und bleibt weiterhin einer der aussichtsreichsten Kandidaten im Titelkampf.
Für die größte Überraschung des Tages sorgte jedoch Fynn Hannemann. Der Gastfahrer musste das Finale aus der achten Startreihe aufnehmen, arbeitete sich jedoch mit einer beeindruckenden Aufholjagd durch das gesamte Feld. Mit spektakulären Überholmanövern und konstant schnellen Rundenzeiten kämpfte er sich bis auf Rang drei im Championat nach vorne und sorgte damit für eines der Highlights des Tages.

Henry Strauss: „Es war ein ganz guter Tag heute. Im Finale bin ich gut gestartet und habe einfach meine Linien gefahren. Ab und an gab es kleinere Probleme mit überrundeten Fahrern. Organisatorisch war das Wochenende aber sehr gut gelöst. Ich freue mich jetzt schon auf Reisersberg.“
Leon Hentschel: „Es war ein geiles Rennen. Platz zwei für mich, aber vor allem hat die neue Strecke super viel Spaß gemacht. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn es wieder ein Rennen in Kronach gibt.“
Fynn Hannemann: „Endlich war ich dieses Wochenende mal wieder bei der HESG am Start. Nach einem Jahr Pause musste ich mich zunächst wieder an den Modus gewöhnen. Im Finale lief es dann aber richtig gut und mit Platz drei im Championat sowie dem Sieg bei den Junioren bin ich super happy.“
Top-5 Tabellenstand nach 3 Rennen
- #539 Henry Strauss 85 Punkte
- #161 Leon Hentschel 80 Punkte
- #111 Felix Bopp 46 Punkte
- #128 Arvid Meyer 43 Punkte
- #22 Luca Kropitsch 41 Punkte
Mit dem ersten Gastspiel der AUNER Hard Enduro Series Germany in Kronach ist den Organisatoren und dem veranstaltenden AC Kronach ein erfolgreicher Einstand gelungen. Sowohl Fahrer als auch Zuschauer zeigten sich begeistert von der neuen Strecke und dem gesamten Veranstaltungsablauf.
Von vielen Seiten gab es großes Lob für die Arbeit des Vereins, der in kurzer Zeit ein abwechslungsreiches und professionell organisiertes Event auf die Beine gestellt hatte. Damit scheint auch der Grundstein für eine langfristige Zusammenarbeit und weitere Rennen in Kronach gelegt.

Nach drei spannenden Saisonläufen richtet sich der Blick nun auf das nächste Highlight im Kalender. Am 27. und 28. Juni 2026 gastiert die AUNER Hard Enduro Series Germany in Reisersberg, wo erstmals in der Geschichte der Serie eine Doppelveranstaltung ausgetragen wird.

Gleichzeitig wartet dort ein ganz besonderer Meilenstein auf Fahrer, Teams und Fans. Bereits das Rennen am Samstag wird das 50. Rennen der Seriengeschichte sein. Gefeiert wird dieses Jubiläum am Abend mit der Veranstaltung „HESG 50 Races – Evening of Legends“, bei der auf die bisherige Entwicklung der Serie zurückgeblickt werden soll.

Bilder: HESG



