
Faktencheck: Beheimatet im niederländischen Hengelo, präsentiert die STERN Technologies B.V. ein neues E-Bike mit der Bezeichnung Radian EXR. Präsentieren ist noch etwas viel gesagt, denn bislang sind nur Vorbestellungen möglich. Die Marktreife respektive die Verfügbarkeit wird auf Ende 2027 prognostiziert.

Revolutionäres Konzept? Das bleibt definitiv abzuwarten, auch wenn man mit der EXR alle Sparten bedienen will. Betrachtet man die Herstellerangabe, so kann man nur vermuten, ob die bisherigen Platzhirsche durch das Radian Konzept tatsächlich bedrängt werden können.

Dazu ein paar Zahlen: 70 PS, eine Reichweite zwischen 60 und 115 km im Renntempo oder 1-7 Stunden im Normalbetrieb. Ein Gesamtgewicht von 125 kg. Eine Endurance 8,6 kWh Batterie für Langstrecke gehört zur Serienausstattung, aber es gibt auch optional eine Sprint-Batterie mit 5,8 kWh gegen Aufpreis, die das Fahrzeuggewicht auf 113 Kilogramm drücken soll. Der Startpreis für die Radian EXR beginnt bei 14.450 Euro.

Der Marktführer Stark Varg EX im Vergleich: 80 PS, bis zu 6 Stunden Fahrzeit. Ein Gesamtgewicht von 120 kg. 7,2 kWh Batterie in der Serie. Startpreis 13.990 Euro während die 60 PS Variante 12.990 Euro kostet.

Grob zusammengefasst wäre die Radian EXR bei der Betrachtung der bereit gestellten Daten, schwächer, schwerer und teurer als der Marktführer. Natürlich ist ein 30 Sekunden Batteriewechsel ein interessantes Feature, das aber voraussetzt, dass man in eine zweite Batterie investiert hat. Diese kostet beispielsweise bei Stark 3.990 Euro extra. Allerdings ist das Mehrgewicht von 5 Kilogramm bei der Radian in der Offroad-Welt eine deftige Angelegenheit, die es nicht zu unterschätzen gilt.

Die Ausstattung im Vergleich: Radian spricht von einer Maximal-Drehzahl von 14.000/min. Wie dieser Wert in der Praxis einzuschätzen ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. Vor allem, da ein E-Bike die volle Leistung aus dem Stand heraus bereit stellen kann. Das gerne von den Herstellern angegebene Super-Drehmoment im Fall der Radian mit 1060 Newtonmetern und der Stark mit 1036 sind rein theoretische Natur und haben mit der Realität nur wenig zu tun. Allerdings ist ein große Staufach durchaus interessant, was in der Praxis definitiv Mehrwert hat. Kayaba-Fahrwerkskomponenten, Brembo-Bremsen sind allgemeiner Standard während man im Fall der Limited Gründer Edition Haan-Wheels Räder auf Basis von A60 Excel-Felgen hinzufügt. Der 336 Volt-Motor ist wassergekühlt und verfügt über Radiatoren. Optional gibt es noch ein Onboard-Ladegerät, wodurch auf ein Aufladen unterwegs überall möglich sein soll, sofern eine Stromquelle verfügbar ist. Über eine App kann wie üblich auf sämtliche Parameter Einfluss genommen werden, um seine persönlich beste Einstellung zu finden.

Optisch orientiert man sich am klassischen Design, während man auf zusätzliche seitliche Rahmenzüge setzt. Das ist unter anderem und höchstwahrscheinlich dem Batteriewechsel-Mechanismus sowie der notwendigen Steifigkeit des Rahmens geschuldet.

Natürlich belebt Konkurrenz das Geschäft und das ist auch gut so, um Weiterentwicklungen in der Wirtschaft voranzutreiben. Ob 80 PS im Fall der Stark Varg EX zu viel sind oder die 70 PS der angekündigten Radian EXR zu wenig, ist wie immer diskutierbar. Einzig und allein ist entscheidend wie einfach die Leistung auf den Boden gebracht werden kann, um maximalen Vortrieb zu generieren. Und das nicht nur für Vollprofis, sondern auch für Einsteiger oder Hobbypiloten. Hierzu hat Stark natürlich einen enormen Vorteil, da sie den Markt seit einigen Jahren schon bedienen und immense Erfahrungen im realen Einsatz vorliegen.

Letztendlich heißt es wie immer, abwarten bis die Serienreife erreicht ist und das Endkunden-Produkt im Einsatz seine Vorschusslorbeeren unter Beweis stellen kann. Erst dann lässt sich ein realistisches Fazit erstellen. Dazu gehören natürlich ebenso Dinge wie der Service, Ersatzteilversorgung, Händlernetz und die Abwicklung von Garantieansprüchen.
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Bemerkenswert ist immer wieder, wie viele Hersteller oder Start-Up Unternehmen sich dem E-Bike Offroad-Konzept annehmen. Sei es Alta, deren Konzept aufgekauft und in der Schublade verschwunden ist, Stark Varg (LINK), Bonnell (LINK), Jarv-E (LINK), Freeride-E, HVR-Bikes (LINK), Honda CR-E, Zero, Tacita oder Flux Performance (LINK). Von den asiatischen Hersteller mal ganz abgesehen und natürlich den zahlreichen vorgestellten Konzepten, die niemals in Serie gingen.





Bilder: Radian



